Archiv Fürstenberg

UNSERE GESCHICHTEN

Katholische Kirche in Eisenhüttenstadt

Beginnen wir mit dem Jahr 1862. Es gab in Fürstenberg nur 50 Katholiken, für deren Betreuung der zuständige Pfarrer von Neuzelle einen Mietsraum erwarb. Durch den Bau der Glashütte zogen 1880 etwa 500 Katholiken aus Böhmen zu. Sie wollten für ihre Kinder eine katholische Schule errichten. Es gelang, ein Grundstück in der Bahnhofstraße zu kaufen. Aus Spenden des Bonifatiusvereins, der Glashütte und großzügiger Einzelpersonen konnten nicht nur Schulräume, sondern unter einem Dach auch eine Kapelle erbaut werden. Am 4. Juni 1884 wurde die Kapelle „Herz Jesu" und am 12. Juli 1884 die katholische private Schule ein-geweiht. Zunächst hatte ein Lehrer 41 Schüler Katholische Schule mit Kapelle und 1898 schon 98 Schüler unterrichtet. Es ist bewegend in den Akten zu lesen, wie die bescheidene Gemeinde durch Sammlungen und durch den Erlös aus Weihnachtsfeiern der Schule, sich Stück für Stück mühsam erwarb: z. B. Marienstatue, Harmonium, Sakristeischrank. Bei der Weihe eines richtigen Altars 1904 heißt es, dass es "eine imposante Kundgebung katholischen Lebens in der Mark" war, an der 15 katholische Vereine teilnahmen.

Seit 1905 unterrichtete eine zweite Lehrkraft an der katholischen Privatschule. Die Lehrer arbeiteten unter so großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, dass 1922 in der Inflation ihr Gehalt etwa 22% des staatlich angestellter Lehrer betrug und oft ausfiel. Sonntags und einmal wochentags hielt ein Kaplan von Neuzelle Gottesdienst. 1919 bekam die katholische Gemeinde Fürstenberg einen ständigen Pfarrer, der in der Stadt Wohnung nahm. 1924 wurde die Gemeinde selbstständige Kapellengemeinde mit Kirchenvorstand und bekam 1938 den Status einer Kuratial - Gemeinde. 1929 gehörten zu dieser Gemeinde 778 Katholiken in 14 Ortsgemeinden. In den Jahren 1926/27 gelang es, das Pfarrhaus zu bauen und 1930 eine Orgel zu kaufen. Die Nationalsozialisten lösten 1939 die Schule auf. Häufige „Polizei" - Kotrollen zeigten sich, und während des Krieges legte man Einquartierung in die Räume. Der Ostgiebel der Kapelle erhielt einen Bombentreffer. Nach dem Krieg kehrte die evakuierte Bevölkerung allmählich zurück und nahm viele Umsiedler auf, so dass die katholische Gemeinde 1949 auf 1000 Gemeindemitglieder anstieg.

 

Eine größere Kirche war notwendig. Am 11. Januar 1951 wurde Pfarrer Clemens Zimmermann Kuratialpfarrer der katholischen Gemeinde Herz Jesu Fürstenberg. Er hat großen Anteil an der Neugestaltung der Kirche. Alle Wände wurden herausgenommen. Es entstand ein großer Kirchenraum, an den ein Altarraum neu angebaut wurde. Am Standort des Altares der alten Kapelle wurde der neue Haupteingang zur Kirche geschaffen. Am 6. Dezember 1953 wurde die Kirche geweiht, d.h. damit wurde sie wieder als Gottesdienstraum genutzt. In den weiteren Jahren bis zur 75 - Jahrfeier wurde die Orgel renoviert und erweitert, der Kreuzweg geschaffen, Kirchenfenster und Heizung erneuert und der ganze Bau erhielt einen Außenputz. Inzwischen war die Einwohnerzahl der um das Eisenhüttenkombinat Ost entstandenen Stalinstadt so angewachsen, dass am 1. Januar 1955 eine eigene Pfarrkuratie mit der Kirche Heilig Kreuz geschaffen wurde, die für alle katholischen Christen jenseits des Kanals zuständig war. 1961 verlor Fürstenberg/Oder seinen Namen und wurde mit Stalinstadt zu der einen Stadt ,,Eisenhüttenstadt" zusammengelegt. Von Januar 1974 bis Ostern 1975 wurde die Kirche erneut renoviert.

 

Der Altarraum erhielt ein großes Fenster zur Bahnhofstraße hin. Die einfach bleiverglasten Kirchenfenster wurden durch dreifach verglaste Thermofenster ersetzt. Die Orgelempore wurde umgestaltet und erhielt eine neue Brüstung. Aus den geschlossenen Kirchenbänken wurden offene mit Metallrahmen gefertigt. 1987 erhielt das große Fenster im Altarraum eine Bleiverglasung. Der Künstler Gottfried Zawatzky aus Kamenz lieferte den Entwurf unter dem Thema „Lebensbaum". Von 1990 bis 1993 wurden dann die Kirchenfenster ebenso neugestaltet unter dem Thema: „Das Spiel der Schöpfung". Am 01. November 2006 wurde die kanonische Pfarrei „Heiligstes Herz Jesu - Heilig Kreuz" errichtet und die bisherige Pfarrkuratie „Heilig Kreuz" zum 01. Januar 2007 eingepfarrt. 2019 wurde die Pfarrei Eisenhüttenstadt an Neuzelle angeschlossen.

Soweit diese Darstellung von ca. 140 Jahren Geschichte der katholischen Gemeinde in Fürstenberg/Eisenhüttenstadt nach der Reformation.